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Cochenilleschildlaus auf Lanzarote

Läuse sind nicht immer lästig oder schädlich

Lanzarote ist die nordöstlichste der Kanarischen Inseln und gehört insgesamt zum Biosphärenreservat der UNESCO.

Ernte Cochenille Laus
Die Ernte der Cochenille Laus

Weite oft schwarze Strände, der versunkene Krater mit LaguneEl Golfo oder die Jameos del Agua – ein Kunstwerk von César Manriques in Lavahöhlen sind nur wenige Gründe für einen Urlaub auf Lanzarote. Der Massentourismus hat die Insel noch nicht überfallen und die oft hässlichen großen Bettenburgen sind Lanzarote erspart geblieben. Aber es gibt viele sehr schöne Hotels, Ferienwohnungen, Apartments und Ferienhäuser in den unterschiedlichsten Kategorien. Da ist für jeden etwas dabei.
Vielleicht gehören Sie ja auch zu den Menschen, die ein bisschen was über das Ferienziel erfahren wollen.
Dinge, die man nicht unbedingt wissen muss – die aber doch ganz interessant sind.

Dazu gehören die Cochenilleschildläuse. Diese Läuse leben auf den Kakteen und werden zur Herstellung von natürlichem Farbstoff verwendet, der in der Textil-, Kosmetik-, Nahrungs- und Pharmaindustrie (mit dem Namen E-120) benutzt wird.

Wenn wir Läuse hören, dann denken wir immer an Pflanzenschädlinge oder an die krabbelnden und juckenden kleinen Ungeheuer, die fast jedes Kindergartenkind einmal auf dem Kopf hatte.
Aber so ist es nicht immer.
Läuse können durchaus nützlich sein und auch absichtlich aufgezogen werden.

Und dazu gehört eben die schon genannte Cochenilleschildlaus.
Es ist eine Insektenart, die ursprünglich aus Südamerika kommt und dort an Opuntien lebt.
Die Menschen waren es, die diese Laus auf die Kanaren und nach Madagaskar brachten.

Schon im 16. Jahrhundert wurden diese Tierchen genutzt, um mit der ihnen eigenen Karminsäure den roten Farbstoff zum Stoffe färben herzustellen.
Überliefert ist, dass die Dörfer der mexikanischen Regionen Oaxaca und Mixteca jedes Jahr über hundert Säcke Cochenille – das sind etwa 9 Tonnen – an die aztekischen Herrscher als Tribut zahlen mussten.

Olivier Cochenille Noire
Eine Cochenille Laus sitzt auf einem Ast

Die Farbe Rot war verbunden mit Sonne, Blut und Tod und überaus wichtig. Und mit Hilfe der Karminsäure der Cochenillelaus konnte man schon damals einen sehr haltbaren und intensiven Rotton herstellen – das Karminrot eben.

Und das haben dann auch irgendwann die spanischen Kaufleute entdeckt und brachten von ihren Beutezügen nach Südamerika die Cochenille mit nach Europa.

Auf Lanzarote ist die Kultivierung der Cochenillelaus eine alte Tradition und wird immer noch betrieben.
Zur Gewinnung des wichtigen Rohstoffes werden die Tierchen von den Blättern der Trägerpflanzen gekratzt, meist in der Sonne getrocknet und – z.B. mit Mörsern – zu sehr feinem Pulver verarbeitet. Anschließend mit heißem Wasser verdünnt und gefiltert. Und schon ist die rote Farbe fertig.

In den vergangenen Jahrhunderten war es einfach eine Notwendigkeit solche Mittel zu verwenden, wenn man bunte Stoffe haben wollte. Schließlich gab es noch keine chemischen Mittel.
Heute ist diese Methode deshalb wieder so wertvoll, weil diese Farbe ungiftig ist und so problemlos zum Einfärben für Stoffe aber auch für Lippenstifte, Cremes oder als Nahrungsmittelfarbe genutzt werden kann.
Dabei ist man auch nicht beschränkt auf die Farbe Rot.
Durch Zusätze wie Zitronensäure oder Kaliumpermanganat gibt es ein Farbspektrum von Beige über Blau und Violett bis hin zu Rosa, Orange und natürlich dem kräftigen Rot.

Übrigens benötigt man zur Herstellung von 50 g Karminfarbstoff ungefähr 150.000 Läuselarven.

Das Zentrum der Cochenille-Zucht auf Lanzarote ist Mala, etwas nördlich von Arrecife an der Westküste der Insel.
Hier gibt es das Colegio las Mercedes und die Direktorin des Colegio gibt schon den Kindern die Tradition des Anbaus und der Verarbeitung der Cochenille näher – vor allem eben auch unter dem Aspekt der Ungiftigkeit und Verträglichkeit des Produktes.

Übrigens kann man aus diesem edlen Naturstoff auch sehr hochwertige Tinte, z.B. für Kunstdrucke, herstellen.

Und?
War doch gar nicht so langweilig, oder?